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Folge 1817. Juli 2026· 5 Min Lesezeit

Selbstannahme – sich ehrlich fühlen und echt zeigen

Selbstannahme heißt, sich mit allen Ecken, Gefühlen und Bedürfnissen anzunehmen – ohne Verurteilung. Über alte Muster, den Körper als ehrlichsten Ratgeber und den Mut, echt zu sein.

Selbstannahme – sich ehrlich fühlen und echt zeigen

Nach Selbstverantwortung (Folge 1) und Selbstvertrauen (Folge 13) kommt heute der dritte Schritt – für mich das Fundament unter den beiden: Selbstannahme. Also die Frage, wie du im Alltag liebevoller und achtsamer mit dir bist, deine vielleicht unbewusst aufgesetzte Maske ein Stück fallen lässt und dir Raum nimmst. Denn nur so kannst du nachhaltig in deinem vollen Potenzial leben – und auch andere stärken.

Aufhören, nur zu funktionieren

Wir kennen es alle: nach außen funktionieren, „passt schon" sagen – obwohl es sich innen ganz anders anfühlt. Gerade in der Landwirtschaft sitzt das tief: bloß keine Schwäche zeigen, weiterackern, die Tradition fortführen, „das haben wir schon immer so gemacht".

Der Preis ist hoch: Irgendwann verlieren wir den Kontakt zu uns selbst. Dabei sind wir zyklisch – wie die Natur: Keimen, Wachsen, Blühen, Loslassen. Selbstannahme heißt deshalb auch, die Regeneration zu ehren – nicht nur die Hochleistungsphasen.

Ich erlebe das gerade selbst wieder: Wenn ich wenig Energie habe – zweite Zyklushälfte, wenig Schlaf, ein paar Triggerthemen, Unsicherheit in bestimmten Lebensbereichen –, merke ich, wie hart ich mit mir werde. Genau da beginnt Selbstannahme.

Was Selbstannahme wirklich heißt

Sich sehen, mit allen Ecken, Gefühlen und Bedürfnissen – ohne sich dafür zu verurteilen. Der Unterschied zu den beiden vorherigen Folgen:

  • Selbstverantwortung: „Ich übernehme Verantwortung für mich, mein Handeln und die Konsequenzen."
  • Selbstvertrauen: „Ich glaube an mich, ich schaffe das."
  • Selbstannahme: „Ich bin okay – auch wenn ich es gerade nicht schaffe."

Warum das so schwerfällt? Wir haben schon als Kinder gelernt, dass wir für Anpassung Liebe und Zugehörigkeit bekommen. Also haben wir die Anteile weggepackt, die scheinbar nicht reinpassten, die „zu viel" oder „zu wenig" waren. Doch was wir wegdrücken, verschwindet nicht – es staut sich. Die Fassade kostet Kraft und trennt uns von echter Nähe: zu uns selbst und zu anderen. Das zeigt sich mental (wie Projektionen oder Co-Regulation) und körperlich (Erschöpfung, Gereiztheit, …).

Und hier kommt der eigentliche Kern: Selbstannahme heißt auch, dich nicht dafür zu verurteilen, dass du dich wieder mal angepasst oder verstellt hast. Als Kind war Anpassung dein Schutzmechanismus – eine brilliante Überlebensstrategie. Die Transformation ist, diese alten Muster nicht wütend zu bekämpfen, sondern sie liebevoll zu überprüfen: Dienen sie mir heute noch – oder halten sie mich nur zurück und laugen mich aus?

Der Körper lügt nicht

Diese Überprüfung gelingt, wenn du deine Körpersignale wieder besser wahrnimmst. Denn unser Körper ist unfassbar intelligent und spricht mit uns – Gefühle sitzen nicht im Kopf, sondern im Körper: als enge Brust, Kloß im Hals, flacher Atem.

Gefühle wollen gefühlt werden, nicht wegrationalisiert. Drücken wir das Signal weg, bleibt das Nervensystem im Alarmmodus (Sympathikus). Nehmen wir das Gefühl dagegen wahr und benennen es, darf das System wieder in die Entspannung schalten (Parasympathikus) – eine solche Gefühlswelle braucht dafür oft nur rund 90 Sekunden.

Der somatische Weg: kurz innehalten, in den Körper spüren – wo sitzt es? –, atmen, das Gefühl benennen. Dein Körper ist kein Gegner, sondern dein ehrlichster Ratgeber.

Und wenn es im Moment nicht geht? Dann eben ein paar Stunden oder Tage später. Je früher, desto schneller kannst du loslassen und die Gedankenspirale beenden. Das braucht Mut, Kapazität und manchmal Unterstützung – aber es lohnt sich.

Die Energie dieser Zeit

Astrologie ist für mich ein wunderbarer Reflexionsrahmen – unabhängig davon, wie stark man daran glaubt. Ich arbeite viel damit und gebe auch Readings; vielleicht kennst du dein Sternzeichen, aber es gibt noch viele weitere Geburtsplaneten. Melde dich gern, wenn dich das interessiert.

Gerade lädt die Krebs-Energie (Sonne und Merkur rückläufig von Ende Juni bis Mitte/Ende Juli) dazu ein, nach innen zu gehen: zu deinen Emotionen, deinen Wurzeln, deiner Herkunft. Ein guter Moment, alte Muster und Glaubenssätze aus der Kindheit oder Herkunftsfamilie anzuschauen – und das, was heute nicht mehr zu deiner Realität passt, loszulassen und umzuschreiben. Du bist heute erwachsen und hast eine neue Wahl. Du musst deine Vergangenheit nicht wiederholen.

Und Beziehungen sind dabei unser Spiegel: Was uns triggert oder in Widerstand bringt, zeigt oft auf ein eigenes Bedürfnis. Erlaube dir Echtheit statt Perfektion – und Beziehungen auf Augenhöhe. Frag dich ehrlich: Wo und mit wem verhalte ich mich noch angepasst, um zu gefallen?

Auch das erlebe ich gerade selbst: Durch ein paar Situationen und Begegnungen sind alte Mangel-Gedanken hochgekommen, und ich bin in alte vertraute Muster gerutscht: Gefühle unterdrücken, mich anpassen für Harmonie, Produktivitätsdrang, Konfliktscheue, Kontrolle statt Vertrauen. Obwohl ich vieles davon längst bearbeitet habe. Erst als ich mir wieder mehr Raum gegeben habe, habe ich erkannt: Das ist meine alte Realität – ich darf hinschauen und loslassen. Die Annahme dessen, was gerade da ist, war dabei das Wichtigste, damit sich die Mangel-Spirale nicht weiterdreht.

Ein kleines Ritual

Für alles, was gerade hochkommt – Gefühle, Trigger, Bedürfnisse: Erkennen – würdigen – loslassen. Sag dem alten Muster innerlich: „Danke, dass du mich geschützt hast. Heute kann ich anders handeln, ich bin groß und sicher."

Und eine Frage zum Mitnehmen: Wo verstellst du dich noch oder lebst eine alte Rolle – und wo darfst du deine neue Wahrheit klarer verkörpern?

Selbstannahme ist eine tägliche Entscheidung

Persönliche Entwicklung verläuft nicht linear, sondern in Spiralen: Du begegnest denselben Themen wieder, aber auf einer neuen, tieferen Ebene. Nimm die Einladung liebevoll an – in Selbstverantwortung und Selbstvertrauen – und verbinde dich immer wieder mit dir selbst.

Feiere deinen Prozess. Nach und nach werden Körper und Kopf vertraute Freunde: Du lernst, deinen Körpersignalen zu vertrauen, und entwickelst eine innere Sicherheit, die vom Außen unabhängig ist. Und ganz ehrlich: Nicht jede:r wird deinen Prozess feiern – dein Umfeld ist an die „funktionierende" Version gewöhnt. Das ist kein Zeichen, dass du etwas falsch machst, sondern dass sich das System gerade neu sortiert.

Selbstannahme heißt nicht, perfekt sein zu müssen oder dich immer gut zu fühlen. Es heißt, dir zu erlauben, echt zu sein, für dich einzustehen und im Rhythmus deines Körpers zu leben.

Wenn du auf diesem Weg Begleitung möchtest: In der 1:1 Begleitung und in den Impuls-Workshops schauen wir gemeinsam hin – achtsam, systemisch und somatisch. Wenn dich die Folge berührt hat, teile sie gern mit einem Herzensmenschen, lass eine Bewertung da und abonniere den Podcast. Schön, dass du diesen Weg gehst.

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