Manche Begegnungen bleiben. Susanne Schulze Bockeloh und ich haben uns vor drei Jahren im Kompass-Mentoring-Programm des Deutschen Bauernverbandes kennengelernt – und unsere Verbindung in diesem Jahr beim deutsch-südafrikanischen Austausch „Woman Talk Agribusiness" noch einmal vertieft. In dieser Folge spreche ich mit ihr über ihren Weg, ihre Werte und darüber, warum es mehr Frauen in der Landwirtschaft in den Gremien braucht.
Susanne ist gelernte und studierte Landwirtin, bewirtschaftet mit ihrer Familie einen Ackerbaubetrieb im Münsterland und ist seit 2022 die erste weibliche Vizepräsidentin des Deutschen Bauernverbandes. Daneben ist sie Vorsitzende des Unternehmerinnenausschusses und des Presse- und Öffentlichkeitsausschusses – und mit ganzem Herzen bei der Sache.
Wie zum ersten Mal eine Frau in den Vorstand kam
Vor einigen Jahren gab Präsident Rukwied die Richtung vor: Der Deutsche Bauernverband solle jünger und weiblicher werden. Vier engagierte Unternehmerinnen stellten daraufhin eine klare Frage: Warten, bis mehr Frauen von allein in die Gremien kommen – oder aktiv gestalten? Sie entschieden sich fürs Gestalten. Aus zwei intensiven Tagen in Berlin entstand die Idee eines Unternehmerinnenausschusses auf Bundesebene, dessen Vorsitzende mit Sitz und Stimme in den Vorstand kooptiert wird.
„Und jetzt muss das jemand machen" – dieser Satz war der Moment, in dem aus einer Forderung Verantwortung wurde. Susanne sagte Ja. Bei den anderen passte es damals nicht ins Leben, mal war es die Zeit, mal waren die Kinder noch klein. Sie selbst hatte den Rückhalt: erwachsene Kinder, ein Mann, der den Hof führt und ihr den Rücken freihält. Ein wiederkehrender Gedanke im Gespräch: Ehrenamt in dieser Größe trägt nur, wenn Familie und Betrieb es mittragen.
Warum Frauen in der Landwirtschaft in die Gremien gehören
Nur rund 11 Prozent der Betriebe werden von Frauen geleitet – und traditionell sitzt die Betriebsleitung in den Gremien. Historisch war die Landwirtschaft von schwerer körperlicher Arbeit geprägt, doch durch Technisierung und Automatisierung ist dieser vermeintliche Vorteil fast verschwunden. Susanne bringt es auf den Punkt: Es braucht mehr Betriebsleiterinnen in Verantwortung, damit auch mehr Frauen in die Gremien kommen.
Ihr geht es dabei nicht um die eine Quotenfrau. Wenn eine Frau mit am Tisch sitzt, verändert sich die Diskussion – Argumente werden von einer anderen Seite beleuchtet, Positionen werden klarer und fester. Genau darin liegt der Wert eines vielfältig aufgestellten Gremiums: Männer und Frauen, verschiedene Betriebe, verschiedene Regionen. Deshalb soll es nicht bei einer Frau bleiben, sondern zwei, drei oder mehr werden.
Verbundenheit, Mut und Engagement
Im Bauernverband wurden drei Grundwerte herausgearbeitet, die Susannes Haltung tragen: Verbundenheit, Mut und Engagement.
- Verbundenheit – mit dem eigenen Betrieb, der Region, der Gemeinschaft und dem gemeinsamen Ziel, die Landwirtschaft nach vorne zu bringen. Herausforderungen gemeinsam anzugehen ist gerade heute ein enorm wertvoller Wert.
- Mut – weil wir Unternehmerinnen und Unternehmer sind. Ohne Risiko keine unternehmerische Entscheidung; wäre alles abgesichert, wäre es Planwirtschaft.
- Engagement – für den eigenen Betrieb, die bestmögliche Ausbildung und das Miteinander.
Diese Werte decken sich sehr mit dem, wofür auch Agribalance steht. Für mich ist Verbundenheit so kraftvoll, weil sie im Innersten beginnt: mit uns selbst verbunden zu sein – und von da aus mit den Menschen um uns und mit der Natur.
Das Kompass-Mentoring-Programm
Aus der Säule „Frauen stärken" ist das Kompass-Mentoring-Programm entstanden. In vier Präsenztreffen in Berlin und mehreren Online-Terminen kommen Mentees und Mentorinnen zusammen – zu Rhetorik, Persönlichkeitsentwicklung, Agrarpolitik, Netzwerken und Kommunikation, inklusive parlamentarischem Abend und einem sehr ehrlichen Modul, in dem die Masken fallen dürfen. Genau dieses geschützte „unter Frauen" beschreibt Susanne als Kraftraum: wie eine warme Dusche, die für den Betrieb und die Gremienarbeit stärkt.
Ich durfte in der ersten Runde dabei sein – und weiß aus eigener Erfahrung, wie viel das verändert. Ich wusste vorher gar nicht, wie und wo ich mich engagieren kann. Nach dem Programm wurden mir die Wege aufgezeigt, und heute bin ich im Sprecherteam des Unternehmerinnen-Netzwerks in Schleswig-Holstein. Im September/Oktober startet die Bewerbungsphase für Runde 4.
Ohne Maske – und trotzdem strategisch
Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt: Musste Susanne in einem lange männerdominierten Umfeld eine Maske aufsetzen? Ihre klare Antwort: nein. Sie überlegt strategisch, wie und wann sie Dinge sagt – aber sie bleibt sie selbst. Und sie erlebt, dass ihr im Vorstand zugehört wird.
Gleichzeitig kennt sie den Druck, den viele starke Frauen tragen – gerade in der Landwirtschaft, wo „alle alles können" und Hilfe holen nicht selbstverständlich ist. Genau deshalb ist der Raum so wertvoll, in dem man ehrlich sagen darf: Das war schwierig. Nähe und Stärke entstehen nicht durch Perfektion, sondern durch Echtheit.
Ein kleiner erster Schritt
Du möchtest mitgestalten, weißt aber nicht wie? Susannes Einladung ist unkompliziert: Frag einfach nach. Jeder Ort ist bauernverbandlich organisiert – jemand in deinem Umfeld weiß, wer den Orts- oder Kreisverband leitet. Du musst nicht sofort gewählt werden. Du darfst dazukommen, zuhören, mitreden – und dann entscheiden. „Wenn man etwas möchte, findet man die Zeit."
Susannes Satz zum Schluss bleibt hängen: Frauen verändern den Sektor, weil sie einen anderen Blick auf die Themen mitbringen – und weil sie Lösungen anbieten statt Gründe, warum etwas nicht geht.
Wenn du auf deinem eigenen Weg Begleitung suchst – ob Klarheit, Selbstvertrauen oder deine Rolle als Frau in der Landwirtschaft: In der 1:1 Begleitung und in den Impuls-Workshops gehen wir das gemeinsam an. Wenn dir die Folge gefällt, freue ich mich über deine Bewertung, ein Abo und eine Weiterempfehlung.
