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Folge 2212. August 2026· 55 Min· 5 Min Lesezeit

Ganzheitlichkeit in der Landwirtschaft, Gesundheit und Bewusstsein – mit Julia Jäger

Julia Jäger ist gelernte Landwirtin, Tierkommunikatorin und Epigenetik-Coachin. Über Ganzheitlichkeit in der Landwirtschaft, ganzheitliche Gesundheit und den Mut, alte Gewohnheiten zu hinterfragen.

Ganzheitlichkeit in der Landwirtschaft, Gesundheit und Bewusstsein – mit Julia Jäger

Auf dem Betrieb kümmern wir uns präventiv um die Gesundheit der Tiere, des Ackers, der Maschinen. Und bei uns selbst? Da heißt es meist: passt schon.

In dieser Folge ist Julia Jäger zu Gast: gelernte Landwirtin und Technikerin, Tierkommunikatorin und Epigenetik-Coachin. Wir sprechen über ihren persönlichen Weg, darüber wie ihr Umfeld und Social Media auf Tierkommunikation und Spiritualität reagieren, über ganzheitliche Gesundheit in der Landwirtschaft und den Mut, alte Gewohnheiten zu hinterfragen.

Julia ist 27, aufgewachsen auf einem kleinen Betrieb im südlichen Baden-Württemberg. Seit 2022 ist sie selbstständig – mit Kursen und Ausbildungen in Tierkommunikation und, seit ihrer Ausbildung 2024, mit Coaching im Bereich Epigenetik samt DNA-Analyse. Dazu Rinder, Pferde, Hund, Katzen und ein Alltag, der aus vielen Richtungen gleichzeitig zieht.

Landwirtschaft war immer schon ganzheitlich

Julia wollte mit fünf Jahren Bäuerin werden – nicht als Berufswunsch, sondern weil es ihr Alltag war. Was sie bis heute fasziniert, ist das Ganzheitliche daran: die Arbeit mit Natur, Wetter, Tieren, Händlern, der eigenen Familie. Alles hängt mit allem zusammen. Das ist im Grunde genau das, was in Coaching-Kreisen groß gemacht wird – nur dass es in der Landwirtschaft nie ein Konzept war, sondern Praxis.

Gleichzeitig sitzen wir beide vor derselben nüchternen Frage, die viele Betriebe kennen: Wo ist der Aufwand noch gerechtfertigt? Julias Familie hat 2015 die Milchviehhaltung auslaufen lassen, weil ein neuer Stall nur mit deutlichem Wachstum förderfähig gewesen wäre. Heute stehen fünf Rinder da, die keinen wirtschaftlichen Nutzen haben – aus dem geplanten Aufbau einer Mutterkuhherde ist etwas anderes geworden.

Wenn der eigene Weg nicht ins Schema passt

Julia hat ihre Entwicklung mitten in der Technikerschule begonnen – mit einer Instagram-Community, die zu über 90 Prozent aus Männern besteht. Ihre Reaktion darauf: ein zweiter Account. Einer für Landwirtschaft, einer für Tierkommunikation. Zwei Bühnen, zwei Versionen von sich selbst.

Ihr nahes Umfeld konnte lange nichts damit anfangen. Was sie aber erreichte, waren konkrete Ergebnisse – etwa wenn ein vermisster Hund wieder auftauchte. Anfeindungen, wie sie andere in diesem Feld erleben, blieben ihr erspart. Interessant war eher das Muster drumherum: In der großen Gruppe haben die Mitschüler gelacht, unter vier Augen und mit einem Bier in der Hand kamen die Fragen.

Letztes Jahr im Sommer hat Julia die Accounts zusammengelegt. Das Zerrissene war schlicht nicht mehr tragbar – die achtsame Julia hier, die Draufgängerin vom Dorffest dort. Die Resonanz war gut. Und sie hat etwas gelernt, das sie selbst überrascht hat: Sie hatte die Männer in ihrer Community unterschätzt. Viele sind mit diesen Themen längst unterwegs, manche weiter als sie.

Bodenständige Spiritualität ist einfach Verbundenheit

Über den Begriff sprechen wir offen, weil wir beide daran hängen und beide manchmal damit ringen. Für mich persönlich heißt spirituell sein: Wir sind alle verbunden – mit uns, mit den Menschen um uns, mit der Natur. Das bedarf kein Label.

Und die Landwirtschaft hat da eigentlich den kürzesten Weg. Rituale rund um Aussaat und Ernte, die keltischen und germanischen Jahreskreisfeste – all das kommt aus der Arbeit auf dem Feld. Julia erzählt von der einen bestimmten Person pro Familie, die diese Magie noch heute trägt. Zugestanden wurde es genau dieser Person, allen anderen nicht.

Was dazwischen kam, war Überleben. Nachkriegszeit, andere Prioritäten, Emotionen wurden abtrainiert – bei Männern und Frauen. Und wer den Kontakt zu den eigenen Gefühlen verliert, kann auch das Drumherum nicht mehr richtig wahrnehmen. Mehr zu diesem Faden findest du in der Folge Selbstannahme.

Ganzheitliche Gesundheit in der Landwirtschaft: warum wir zuletzt kommen

Julia kam zur Epigenetik über eigene Themen: schwere Hautprobleme nach dem Absetzen der Pille, und Ärzte, die ihr Cortison verschrieben, während sie nach Ursachen suchte. In einem Gesundheitscoaching war eine DNA-Analyse enthalten – das war für sie der eigentliche Grund zu buchen. Danach folgte 2024 die Ausbildung zum Epigenetik-Coach.

Epigenetik beschreibt, vereinfacht gesagt, eine Art Schaltmechanismus über unseren Genen: Nicht alle Gene sind dauerhaft aktiv, und was abgelesen wird, hängt auch von Ernährung, Umfeld und psychischen Faktoren ab. Für Julia war das eine Form von Selbstermächtigung – nicht Opfer der eigenen Veranlagung zu sein.

Für sie persönlich kam dabei unter anderem eine Glutenunverträglichkeit heraus. Ausgerechnet bei jemandem, der selbst Getreide anbaut und früher gesagt hat, die anderen sollen sich nicht so anstellen. Verändert hat sich vor allem eines: die Haltung zum eigenen Körper. Wo sie früher geschimpft hat, versteht sie Reaktionen heute als Kommunikation. Und beim Getreidelager-Auskehren trägt sie inzwischen eine Maske – während ich beim Zuhören ein schlechtes Gewissen bekomme, weil ich genau das nie getan habe. Als Frau will man ja eh noch einen Sack mehr schleppen.

Julia erzählt von Landwirten in ihrer Gegend, die mit 50 oder 60 an Herzinfarkt oder Schlaganfall gestorben sind. Ein Leben lang geschuftet, mit dem Ziel, es irgendwann in der Rente zu genießen. Beim Schlepper wissen wir genau, wann der Ölwechsel fällig war – bei uns selbst schieben wir es hinten an. Dabei sind die Grundvoraussetzungen auf einem Betrieb oft besser als überall sonst: gute Lebensmittel direkt vor der Haustür, ohne unnötiges Zeug drin. Was fehlt, ist meist nur das Bewusstsein.

Ein Hinweis von mir dazu: Das ist Julias persönlicher Weg und ihre Perspektive, kein medizinischer Rat und kein Ersatz für eine Untersuchung oder Diagnose.

Ein kleiner erster Schritt

Nimm dir eine Gewohnheit vor, die in deinem Alltag einfach so mitläuft, und frag dich einmal ehrlich: Will ich das wirklich – oder mache ich das, weil man es so macht? Das Feierabendbier. Das Staubschlucken ohne Maske. Der Satz "passt schon". Nicht abschaffen. Nur einmal anschauen.

Folge deinem Herzen – und frag, ob es dein Weg ist

Julias Wunsch für die Landwirtschaft: dass Menschen wieder mehr zu sich kommen und sich selbst fühlen. Denn wer sich selbst spürt, kann auch im Außen etwas verändern – bei der Tierhaltung, im Pflanzenbau, im eigenen Hamsterrad. Sie sagt offen, dass sich in der Landwirtschaft etwas verändern darf, und weiß, dass ihr das manche Kollegen verübeln werden. Nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt, und immer vom Hinschauen bei sich selbst aus.

Ihre Botschaft zum Schluss: ehrlich bleiben, authentisch bleiben. Egal ob in der Verhandlung mit der Molkerei, in der Vereinssitzung oder am Küchentisch – frag dich, ob das wirklich dein Weg ist oder nur der ausgetretene Pfad. Und erlaube dir, einen eigenen zu gehen.

Wenn du dabei Begleitung möchtest: In der 1:1 Begleitung und im Online-Kurs Dein inneres Feld schauen wir gemeinsam hin – achtsam, systemisch und somatisch. Und wenn dich diese Folge berührt hat, teile sie mit einem Menschen, der sie gerade brauchen könnte. Schön, dass du diesen Weg gehst.

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