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Folge 1714. Juli 2026· 5 Min Lesezeit

Das Wiedersehen in Deutschland – Agrar-Austausch, Teil 2

Nach dem Austausch in Südafrika kamen die Frauen zu uns nach Deutschland. Eine intensive Woche zwischen Obstbau, Milchvieh und Weinbergen – und die Frage, welchen Reichtum wir eigentlich erben.

Das Wiedersehen in Deutschland – Agrar-Austausch, Teil 2

Im April waren wir in Südafrika – im ersten Teil dieses Austauschs haben wir dir davon erzählt: fünf intensive Tage mit 25 Frauen aus der Agrarbranche, organisiert im Rahmen von „Woman Talk Agribusiness". Jetzt wurde der Austausch umgedreht. Die südafrikanischen Frauen sind zu uns nach Deutschland gekommen, und wir haben ihnen fünf Tage lang unsere Agrarlandschaft rund um Bonn und das Münsterland gezeigt. In dieser Folge lasse ich diese Woche gemeinsam mit meiner Gästin Heike Zeller von aHEU, die selbst in der Agrarbranche zu Hause ist, noch einmal Revue passieren.

Das Wiedersehen

Zwei Monate lagen zwischen den beiden Begegnungen – Zeit, um all die Eindrücke aus Südafrika zu verarbeiten und uns richtig auf das Wiedersehen zu freuen. Und dann war es, als hätte es keine Pause gegeben: Von der einen Sekunde auf die andere waren wir wieder zusammen, ohne Anlaufschwierigkeiten. Für viele der Frauen war es die erste Reise nach Europa überhaupt – eine kleine Reizüberflutung. Umso schöner, dass der erste Tag relativ ruhig begann: ankommen, zweiter Vorstellungs-Workshop, durch die Stadt schlendern, gemeinsam essen.

Innovation im Obstbau

Am zweiten Tag ging es zu einem jungen Bio-Obstbetrieb mit Äpfeln, verschiedenen Beeren und einer Agri-Photovoltaik-Anlage über einem Teil der Apfelbäume. Die Solarmodule bringen weit mehr als nur Strom: Teilbeschattung, Schutz vor Extremwetter und – gerade im Bio-Obstbau – deutlich weniger Pilzdruck, weil der Regen nicht direkt auf die Pflanze, sondern über die Module in den Boden läuft. Für die südafrikanischen Frauen mit ihren vielen Sonnenstunden, "Loadshedding" und ihrer oft selbst aufgebauten Stromversorgung war das ein Thema, das sie sichtbar mitgenommen haben.

Landwirtschaft in die Stadt bringen

Ein Besuch mitten in der Stadt Wuppertal hat für Diskussionen gesorgt: ein Bildungsprojekt, das auf kleiner Fläche die weltweite Anbaufläche im Miniaturformat abbildet – ein „Weltacker". Pädagogisch klug gemacht, ein Ort, an den Schulklassen und Nachbarn kommen können. Wir sind teilweise kritisch herangegangen, weil manche Botschaften eine klare Richtung vorgeben (z.B. Fleischkonsum). Was für mich blieb: Solche Projekte sind wertvoll, aber sie ersetzen nicht das echte Erleben auf dem Hof. Bauernhof­- pädagogik – Kindergärten und Schulklassen auf echten Betrieben – ist unfassbar wichtig, und wir Landwirt:innen sollten uns dieses Feld nicht nehmen lassen. Beides darf Hand in Hand gehen. Wichtig ist, dass die Kinder überhaupt rauskommen und Zugang bekommen.

Familienbetriebe zum Anfassen

Zwei Besuche sind uns besonders nahegegangen. Der eine: ein vielfältiger Betrieb mit großem Hofladen, Café, Brennerei und Direktvermarktung, geführt von einer wirklich inspirierenden Seniorchefin – so eine ruhige, klare Kraft, die von allen sofort gefeiert wurde, über alle Kulturen hinweg. Der andere: der Hof einer unserer Teilnehmerinnen, wo uns die ganze Familie herzlich empfangen und mit uns gegrillt hat. Ein ganz normaler Schweinestall – genau das war so wertvoll. Zu sehen, wie ein echter Familienbetrieb zusammenhält und wie authentisch das ist, hat uns alle sichtbar berührt.

Etwas ist uns dabei über die ganze Woche aufgefallen: Bei uns arbeiten die Menschen, denen ein Hof gehört, ganz selbstverständlich an vorderster Front mit. In Südafrika ist Farmer oft eher die Rolle, die anleitet und das Business steuert. Dass hier die Betriebsleiterinnen selbst im Stall stehen, fanden die Frauen bemerkenswert.

Vom Feld bis ins Regal

Wir haben die Wertschöpfungskette bewusst bis zum Ende gedacht und einen großen Supermarkt besucht. Für die südafrikanischen Frauen, die selbst gern in den europäischen Markt kommen möchten, war das Thema Regionalität und die Frage „Was braucht es, um hier zu liefern?" besonders spannend. Und ehrlich: Auch für uns Deutsche war es mal etwas Besonderes, ganz bewusst und ohne Eile durch einen Supermarkt zu gehen.

Frauen, die ihre Betriebe führen

Ein roter Faden der Woche waren die frauengeführten Betriebe. Wir haben eine junge Betriebsleiterin in einer Legehennenhaltung mit großer Packstelle erlebt – präsent, mit Herzblut für ihre Tiere und einer Antwort auf jede Frage. Wir waren auf einem Weingut in Steillage, dessen Betriebsleiterin uns mitgerissen hat: Beim Hochwasser hatte die Familie eine ganze Ernte, den Weinkeller und das Elternhaus verloren – und trotzdem strahlt sie diesen Optimismus aus. Ihr Satz, dass sie durch diese Zeit gelernt habe, dass die Menschen gut sind, hat uns Gänsehaut gemacht. Wir haben ein international agierendes Familienunternehmen für Nutztier -und Haustierernährung besichtigt. Und ein Milchviehbetrieb, auf dem die Betriebsleiterin nach der Geburt weiterführt, während ihr Mann Elternzeit nimmt – eine gesunde Dynamik und ein wahnsinnig gepflegter Hof.

Politik, Handel und ein Blick über den Tellerrand

Es ging es auch um die größeren Zusammenhänge: ein Abend zur EU-Politik und ein Besuch bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Es war hilfreich zu sehen, was es konkret braucht, um nach Deutschland zu liefern und wie genau geprüft wird. Was dabei immer wieder deutlich wurde: Unser Markt ist stark reguliert. Er bietet Strukturen, die vieles ermöglichen (Förderung, Absicherung), und Strukturen, die vieles erschweren (Bürokratie, Auflagen, Genehmigungen).

Der Gedanke, der bleibt

Im Abschlussworkshop fiel ein Begriff immer wieder: „intergenerational wealth" – der Reichtum über Generationen hinweg. Die südafrikanischen Frauen sind fast alle die erste Generation in der Landwirtschaft. Sie haben uns gespiegelt, welchen Schatz wir hier oft für selbstverständlich halten: Land, Wissen, Gebäude, ein Umfeld, das über Generationen gewachsen ist. Doch auch hier gibt es die Kehrseite der Medaille der Hofübergabethemen.

Unser persönliches Highlight waren – wie schon in Südafrika – die Frauen selbst. Wie sie dastehen und über ihre Betriebe sprechen, völlig selbstverständlich und in ihrer Kraft. Wie sie ihr Ding machen, gegen manche Widerstände, sich immer wieder neu erfinden, authentisch und nahbar.

Was wir noch mitnehmen, ist ein kleiner, großer Satz aus der Abschlussrunde: Say yes. Wenn sich eine Chance zeigt, ergreif sie. Grenzen setzen und auf sich achten – ja, unbedingt. Aber eben auch mutig Ja sagen, wenn das Leben etwas anbietet.

Wenn du auf deinem eigenen Weg Begleitung suchst – ob es um Klarheit, Selbstvertrauen oder den Weg als Frau in der Landwirtschaft geht: In der 1:1 Begleitung und in den Impuls-Workshops gehen wir das gemeinsam an. Wenn dir die Folge gefällt, freue ich mich über deine Bewertung, ein Abo und eine Weiterempfehlung.

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